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Hörsturz als Ursache von Tinnitus

Hörstörung hat keinen erkennbaren Auslöser

Wenn das Hörvermögen plötzlich ausfällt

Pfeifende Ohrgeräusche, Schwindel oder ein Druckgefühl im Ohr treten häufig mit ihm gemeinsam auf: dem idiopathischen Hörsturz, auch schlicht Hörsturz oder Ohrinfarkt genannt. An dem Hörverlust, der in der Regel ganz plötzlich auftritt und sich per Definition auf keine erkennbare Ursache (idiopathisch) zurückführen lässt, erkranken laut Deutscher Tinnitus-Liga jährlich 150 000 Deutsche. In vielen Fällen verschwinden die Beschwerden innerhalb weniger Tage von selbst; dennoch sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Ein Hörsturz beschränkt sich meist auf ein Ohr, kann aber auch beidseitig auftreten. Auch die Ausprägung der Schallempfindungsstörung fällt von Fall zu Fall unterschiedlich aus: von geringgradig bis zum vollständigen Hörverlust, alle Frequenzen betreffend oder nur wenige Frequenzbereiche.

Wie äußert sich ein Hörsturz und wie verläuft er?

Ein idiopathischer Hörsturz äußert sich durch die charakteristische, meist einseitige Taubheit oder das Gefühl, als höre man durch Watte (Hörminderung). Der Hörverlust geht außerdem in circa vier von fünf Fällen mit Ohrgeräuschen (Tinnitus) einher.

Seltenere Begleiterscheinungen sind Schwindelgefühle und ein oft einseitiges Druckgefühl im Ohr. Auch Doppeltonhören (Diplakusis) und Lärmüberempfindlichkeit (Hyperakusis) sind mögliche Symptome. Ohrenschmerzen sind kein Symptom eines Hörsturzes.

Bei einem Großteil der Betroffenen kehrt das Hörvermögen auch ohne Therapie innerhalb von 10 bis 14 Tagen größtenteils oder vollständig wieder zurück. Noch früher, bereits wenige Tage nach dem Hörsturz, setzt der Schwindel aus; die Ohrgeräusche hingegen bleiben oftmals länger bestehen.

Ein Hörsturz kann Tinnitus auslösen

Was sind die Ursachen eines Ohrinfarkts?

Der idiopathische Hörsturz gibt Medizinern nach wie vor Rätsel auf. Ein möglicher Grund für die Erkrankung könnte eine gestörte Blutversorgung des Innenohrs sein. Diese würde dazu führen, dass die Haarzellen in der Schnecke des Innenohrs nicht mehr in der Lage sind, mechanische Schallwellen in elektrische Impulse umzuwandeln. Auslöser für die gestörte Blutversorgung könnten Entzündungen, Viren oder eine Fehlsteuerung des Stoffwechsels sein.

Auch negativer Stress wird als mögliche Ursache für einen Ohrinfarkt gesehen. Seelische Belastungen in Familie oder Beruf könnten Auslöser sein und zu einem vorübergehenden Hörinfarkt führen.

Diagnose und Therapie eines idiopathischen Hörsturzes

Wie wird ein Hörsturz diagnostiziert?

Sehr häufig entwickelt sich eine Hörminderung von allein wieder zurück. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Betroffene spätestens nach 24 bis 48 Stunden einen Arzt aufsuchen. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser ist die Prognose.

Da eine gesicherte Ursache bis heute nicht erkennbar ist, ist die Diagnose eines Ohrinfarktes eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet: Sie wird erst gestellt, wenn keine andere mögliche Ursache für eine Hörminderung nachweisbar ist. Die Ausschlussdiagnose geschieht durch eine genaue Befragung – die Anamneseerhebung – durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt sowie Untersuchung des Innenohrs und Hörprüfungen. So werden zugrundeliegende Erkrankungen des Ohres, etwa die Ménière-Krankheit, sowie internistische und neurologische Krankheiten ausgeschlossen.

Wie wird ein Hörsturz therapiert?

Hier gilt: Erhält der Patient unmittelbar nach dem Hörsturz eine Diagnose und begibt sich in Behandlung, kann das Gehör im Regelfall vollständig wiederhergestellt werden.

Hat der Patient vor dem Hörsturz unter größerer seelischer Belastung gestanden, ist ein Zusammenhang denkbar. Dann ist es wichtig, den Betroffenen vom Stress abzuschirmen und ihm Ruhe und Entlastung zu verschaffen – zum Beispiel durch eine Krankschreibung. In schwerwiegenden Fällen lassen sich Abstand sowie berufliche und familiäre Entlastung auch durch eine Überweisung ins Krankenhaus gewinnen.

Initial kann eine Infusionsbehandlung mit hochdosiertem Kortison in einer Kochsalzlösung erfolgen, die das Innenohr schützt und Reparaturmechanismen fördert. Diese Behandlung findet an zehn aufeinanderfolgenden Tagen statt.

In wenigen Fällen bleibt trotz Behandlung ein Hörverlust oder eine Hörminderung zurück. In diesen Fällen können Patienten ein Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat erhalten. Auch Tinnitus kann trotz Therapie zurückbleiben. In diesem Fall können Arzneimittel wie Binko® eingesetzt werden, um die Durchblutung des Innenohrs zu fördern.