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Ohrgeräusche (Tinnitus aurium)

Wenn es im Kopf pfeift, zischt, rauscht oder klingelt

Bei Ohrgeräuschen, im Fachjargon auch Tinnitus aurium oder Tinnitus genannt, entstehen im Kopf Geräusche, die sich wie ein Pfeifen, Rauschen oder Klingeln anhören. Die Töne, die Patienten wahrnehmen, können sich hartnäckig in Kopf und Ohren festsetzen und treten einseitig oder beidseitig auf. Etwa jeder zehnte Deutsche ist von einem Tinnitus betroffen.

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Unterschiedliche Formen des Tinnitus

Der medizinische Begriff „Tinnitus“ stammt vom lateinischen Verb „tinnire“ („klingeln“) ab. Der Fachbegriff bezieht sich also auf eine mögliche Ausprägung des Leidens. Doch jeder Tinnitus-Betroffene nimmt das Ohrgeräusch ganz individuell wahr. Es werden unterschiedliche Formen zur Beschreibung des Leidens herangezogen.

  • Lokalisation: An welcher Stelle „hört“ der Patient den Ton?
  • Zeitlicher Muster: Ist der Ton rhythmisch, pochend, pulsierend oder gleichbleibend?
  • Art des Tons: Hört der Patient ein Pfeifen, Rauschen, Piepsen, Klingeln, Knacken, Brummen, Ohrensausen oder Knistern?
  • Konstanz: Ist der Ton ständig da oder gibt es Phasen ohne Tinnitus?
  • Subjektiv wahrgenommene Lautstärke und ihre Schwankung
  • Frequenzbereich: Ist der Ton tief, mittel oder hoch?
Ohrgeräusche

Hoher Leidensdruck bei Betroffenen

Bei der Diagnose wird zwischen zwei Arten von Tinnitus unterschieden: einem, der von einer tatsächlichen Schallquelle im Körper ausgeht (objektiver Tinnitus), und einem, bei dem keine Schallquelle im Körper als Ursache festgestellt werden kann (subjektiver Tinnitus). Ein Großteil der Betroffenen leidet unter einem subjektiven Tinnitus. Hinter einem Tinnitus steckt daher im Regelfall keine Ohrenkrankheit, sondern eine Funktionsstörung der Nervenzellen.

Chronische oder akute Ausprägung

Mediziner unterscheiden bei einem Tinnitus zwei unterschiedliche Ausprägungen: Bei Symptomen, die bis zu drei Monaten anhalten, spricht man von einer akuten, ab drei Monaten von einer chronischen Form des Tinnitus, die jedes Jahr bei 340.000 Menschen auftritt.
Treten Ohrgeräusche zum ersten Mal auf und sind nach einigen Stunden oder am folgenden Tag nicht abgeklungen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Sind die Ohrgeräusche mit Hörverlust und/oder Schwindel verbunden, müssen sie sofort medizinisch untersucht werden. Je früher ein Tinnitus behandelt wird, desto größer sind die Chancen, dass er wieder verschwindet.

Form und Ausprägung

Subjektiver und objektiver Tinnitus

Mit einer Prävalenz zwischen 5 und 15 Prozent tritt der subjektive Tinnitus wesentlich häufiger auf als der objektive. Anders als beim objektiven Tinnitus liegt dem subjektiven keine nachvollziehbare wahrnehmbare audiologische Ursache zugrunde. Jährlich erleben etwa 10 Millionen Deutsche erstmals einen subjektiven Tinnitus. Diesem kann eine körperliche, seelische oder eine Ohrenerkrankung zugrunde liegen.
Auch beim seltenen objektiven Tinnitus ist die Quelle der Ohrgeräusche im Körper des Betroffenen lokalisiert, die Töne können aber auch von Dritten wahrgenommen werden. Da sie im Körper entstehen, werden sie „Körperklänge“ oder „somatosounds“ genannt. Auslöser des objektiven Tinnitus‘ können sein:

  • vaskuläre Störungen der Blutgefäße,
  • otoakustische Emissionen,
  • kontrahierende Mittelohrmuskeln,
  • Hämangiome (Blutschwämme),
  • Gefäßmissbildungen,
  • Veränderung im Blutstrom der Halsvenen oder
  • Tumore im Mittelohr.

Vier unterschiedliche Schweregrade

Bei einem Tinnitus spielt die emotionale Bewertung des Leidens eine wichtige Rolle. Deshalb wird Tinnitus in vier unterschiedliche Schwergerade unterteilt. Anhand psychologischer Fragebögen lässt sich ermitteln, wie schwer das Ausmaß der Betroffenheit eines Patienten durch seinen Tinnitus ist. Die meisten Betroffenen schaffen es, den chronischen Tinnitus in ihr Leben zu integrieren und ohne Einschränkungen zu leben. Man spricht dann von einem kompensierten Tinnitus (Grad I und II). Bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen jedoch misslingt die Gewöhnung an den Ton. Es bleibt ein dekompensierter Tinnitus (Grad III und IV), der hohen Leidensdruck sowie psychische Begleiterkrankungen bedeuten kann.

Psychologische Folgen von Tinnitus

Begleiterkrankungen und Sekundärsymptome

Stress, Unruhe und Ängste können die Wahrnehmung von Tinnitus verstärken beziehungsweise seine Entstehung begünstigen. Da es sich um ein „unsichtbares Leiden“ handelt, fühlen Betroffene sich oft zusätzlich nicht ausreichend verstanden. Je nach Schweregrad können außerdem psychische Begleiterkrankungen auftreten. Am häufigsten berichten Patienten, die unter einem dekompensierten Tinnitus leiden, von Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Konzentrationsstörungen sowie depressiven Syndromen. Aber auch die folgenden Sekundärsymptome können auftreten:

  • Gereiztheit
  • Zähneknirschen
  • Kopf- oder Ohrenschmerzen
  • Schwindel und Benommenheit
  • Hyperakusis (Überempfindlichkeit für laute Geräusche)
  • Angstzustände
  • Hörstörungen
  • Leistungsbeeinträchtigungen

Die zusätzlichen belastenden Begleiterkrankungen haben durch das hohe Stressniveau wiederum einen negativen Einfluss auf den Tinnitus – ein Teufelskreis aus Anspannung, negativer Wahrnehmung und sozialem Rückzug kann entstehen.

Gespräche als Schlüssel zur Therapie

Halten Ohrgeräusche länger als 24 Stunden an, ist dringend angeraten, einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Dieser kann anhand von Untersuchungen und Gesprächen den Ursprung der Ohrgeräusche diagnostizieren und so die richtige Therapie ermitteln. Er klärt auch ab, ob eine Medikation, zum Beispiel durch ein pflanzliches Arzneimittel, empfehlenswert ist, und gibt Tipps zur Selbsthilfe, die das Tinnitusleiden lindern.