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Diagnose von Tinnitus

Eine HNO-Untersuchung kann die Ursache der Ohrgeräusche aufdecken

Viele Ursachen sind möglich

Störende Ohrgeräusche können viele Ursachen haben. Deshalb sollte der Besuch einer HNO-Praxis oberste Priorität haben. Der Arzt wird die Ohren eingehend untersuchen und das Gehör überprüfen. Gezielte Fragen verschaffen ihm einen ersten Überblick über Art und Intensität des Tinnitus. Die Krankengeschichte und das Gespräch liefern oft Hinweise darauf, ob die Ohrgeräusche eine körperliche oder seelische Ursache haben.

Eine genaue medizinische Untersuchung ist wichtig, denn nur, wenn der behandelnde Arzt weiß, seit wann ein Tinnitus besteht und was seine Ursache ist, kann er die Therapie einleiten, die sich am besten eignet. Grundsätzlich gilt: Schon im akuten Stadium kann es sinnvoll sein, gezielt zu entspannen und Stress abzubauen.

Die Anamnese als Grundlage des Befundes

Die sogenannte Anamnese bildet beim Verdacht auf Tinnitus die Grundlage der Diagnostik. Bei diesem Gespräch erfasst der Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Tinnitussymptome sowie die individuelle Krankengeschichte des Patienten. Da ein Tinnitus nicht selten mit einer Belastung im sozialen Umfeld in Zusammenhang steht, zieht das Erstgespräch auch soziale oder seelische Auslöser in Betracht. Die Antworten können bereits einen Anhaltspunkt dafür geben, wie hoch der Leidensdruck ist und ob auch die psychische Gesundheit des Betroffenen gefährdet ist. Wichtige Fragen der Anamnese sind:

  • Wie häufig und in welchen Situationen tritt der Tinnitus auf?
  • Wie klingen die Ohrgeräusche?
  • Wann sind die Beschwerden zum ersten Mal aufgetreten?
  • Welche zusätzlichen Symptome sind daraufhin aufgetreten?
  • Gab es in Ihrem Leben schwerwiegende negative Veränderungen?
  • Leiden Sie unter Stress?

Bei stark empfundener Belastung unterstützt eine strukturierte Tinnitusdiagnostik dabei, den Schweregrad der Beeinträchtigung zu ermitteln, z.B. mit Hilfe des strukturierten Tinnitusinterviews, des Tinnitusfragebogens zur Selbstbeurteilung sowie des Mini-Tinnitusfragebogens und darauf aufbauend für den Patienten individuelle Therapiemöglichkeiten und Methoden zur Bewältigung des Tinnitus zu bestimmen.

Behandlung

Untersuchung mit dem Ohrmikroskop

Nach dem ausführlichen Anamnesegespräch untersucht der behandelnde Arzt den äußeren Gehörgang und das Trommelfell mit einem Ohrmikroskop (Otoskop). Dies dient dazu, Fremdkörper, Ohrenschmalz oder eine Entzündung als Auslöser für das Ohrensausen auszuschließen. Auch die umgebenden Strukturen des Nasen- und Rachenraumes werden bei der HNO-ärztlichen Untersuchung betrachtet.

Tympanometrie im Rahmen der Tinnitusdiagnostik

Mit simplen Tests wie dem Stimmgabelversuch (nach Weber und Rinne) und einer Tympanometrie kann der Arzt das Hörvermögen des Patienten bereits grob untersuchen und beispielsweise eine Innenohrschwerhörigkeit von einer Mittelohrschwerhörigkeit unterscheiden.

Hörtests zur Diagnose von Tinnitus

  • Tinnitus-Matching: Bei der Tinnitusanalyse werden die Frequenz und die Lautstärke des Tinnitus ermittelt. Der Betroffene vergleicht eingespielte Töne mit dem Geräusch, das er selbst im Ohr hört.
  • Audiometrie: In einem sogenannten Tonschwellenaudiogramm können außerdem das Hörvermögen des Patienten grafisch dargestellt und die Hörschwelle ermittelt werden. Dazu hört der Patient über einen Kopfhörer Töne in kleinen Dezibel-Schritten. Mit dieser Überprüfung lässt sich feststellen, bis zu welcher Tonhöhe (Frequenz) und bis zu welcher Lautstärke der Patient ein akustisches Signal wahrnimmt. Die audiometrische Diagnostik dient der Abschätzung der Schäden am Ohr und ihrer Lokalisation.

Tinnitus-Differenzialdiagnose

Für eine Tinnitus-Diagnose zieht der behandelnde HNO-Arzt in manchen Fällen Mediziner anderer Fachgebiete zu Rate. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn keine Ursache für den Tinnitus im HNO-Bereich gefunden werden kann.

Differenzialdiagnose in der Angiologie

Der Angiologe überprüft, ob die Ohrgeräusche die Folge von Durchblutungsstörungen der Gefäße sind.

Psychologische Differenzialdiagnose

Emotionale Belastung und Stress können die Entstehung eines Tinnitus offenbar verursachen oder begünstigen. Bei Patienten mit einem chronischen Tinnitus entstehen außerdem nicht selten Angststörungen oder Depressionen. Daher kann der HNO-Arzt den Besuch eines Psychologen empfehlen.

Orthopädische Differenzialdiagnose

Ein Orthopäde kann überprüfen, ob Erkrankungen, Blockierungen oder Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule den Tinnitus auslösen oder ob Schäden an Kiefer oder Schädel vorliegen. Dazu werden unter anderem Röntgenaufnahmen angefertigt, eventuell unter Hinzuziehung eines spezialisierten Radiologen.

Neurologische Differenzialdiagnose

Der Neurologe untersucht das Gehirn und die Nervenfunktionen, um Erkrankungen des zentralen Nervensystems als Auslöser des Tinnitus auszuschließen.

Kieferorthopädische Differenzialdiagnose

Ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde überprüft einen Zusammenhang zwischen dem Tinnitus und Zahnbeschwerden bzw. einer Kieferfehlstellung. Nächtliches Zähneknirschen kann beispielsweise Ursache von Tinnitus sein.